In der Hotellerie und Gastronomie, wo Karrieren oft im Takt der Saisons verlaufen und Mitarbeitende in verschiedenen Betrieben tätig sind, bleibt der Lebenslauf die wichtigste Visitenkarte eines Kandidaten. Lionel Fontaine, Generaldirektor von Hotelis, erklärt, worauf es bei diesem Dokument ankommt und weshalb es oft mehr über seinen Verfasser verrät, als diesem bewusst ist.
Ein Lebenslauf wird selten zusammen mit dem gesamten Bewerbungsdossier betrachtet. Sobald er eingereicht wurde, wird er rasch vom restlichen Dossier getrennt und tritt seine Reise von Schreibtisch zu Schreibtisch an: Der Consultant leitet ihn an den zuständigen Recruiter weiter, dieser an die Personalabteilung, die ihn wiederum an den Küchenchef oder die Rezeptionsleitung weitergibt. In jeder Phase muss der Lebenslauf überzeugen, ohne dass sein Verfasser anwesend ist, um seine Bewerbung zu erläutern.
«Der Lebenslauf reist oft allein durch zwei oder drei Abteilungen und kommt mit einer Beurteilung zurück, die nicht immer der Realität entspricht», sagt Lionel Fontaine. Der Grund ist einfach: Eine einzelne Seite lässt sich deutlich einfacher weitergeben als ein Dossier mit zehn Arbeitszeugnissen. Zudem lässt sich die Motivation eines Kandidaten aus einem Dokument allein kaum herauslesen.
Das Motivationsschreiben verliert an Bedeutung, der Lebenslauf bleibt
Doch was sollte ein Lebenslauf enthalten und wie sollte er aufgebaut sein? Zunächst zum Motivationsschreiben: Es hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Für Positionen im operativen Bereich oder bis auf mittlerer Führungsebene betrachtet der Direktor von Hotelis dessen Stellenwert sogar kritisch.
«Viele Kandidaten stammen aus dem Ausland und haben nicht immer die Möglichkeit, sich auf Französisch auszudrücken. Wenn wir ihre Fähigkeiten anhand des Motivationsschreibens beurteilen, werden wir ihnen oft nicht gerecht.»
Das Motivationsschreiben ist in Hotels heute nahezu verschwunden.
Anders sieht es bei Führungspositionen aus. Dort kann ein Motivationsschreiben zeigen, wie tief sich jemand mit einer Aufgabe oder einem Unternehmen auseinandergesetzt hat. «Wer gut schreiben kann, kann auch gut denken», fasst Lionel Fontaine zusammen.
Angesichts der zunehmenden Verbreitung von KI-gestützten Textwerkzeugen mahnt er jedoch zur Vorsicht. Künstliche Intelligenz formuliert Inhalte oft überzeugend und füllt Lücken automatisch. Das Risiko besteht darin, dass dabei allgemeine Aussagen entstehen, wenn die inhaltliche Grundlage zu wenig Substanz bietet.
Zwei Seiten und eine grosse Portion Bescheidenheit
Der Lebenslauf selbst hat nichts von seiner Bedeutung verloren. Lionel Fontaine empfiehlt zwei Seiten, höchstens drei bei einer tatsächlich aussergewöhnlichen Karriere. Darüber hinaus wird die Fülle an Informationen eher zum Nachteil.
«Zu viele Informationen geben dem Rekrutierer nicht mehr Sicherheit.»
Grundsätzlich gibt es zwei gängige Ansätze: den antichronologischen Lebenslauf, der den beruflichen Werdegang in den Vordergrund stellt und insbesondere in technischen Berufen bevorzugt wird. Dort verrät die Liste der bisherigen Arbeitgeber oft bereits viel über das Niveau und die Anforderungen der jeweiligen Positionen. Daneben gibt es den kompetenzorientierten Lebenslauf, der den Fokus auf Fähigkeiten und Fachkenntnisse legt.
Auch in der Gestaltung bleibt die Branche eher klassisch. Ein Bewerbungsfoto hat weiterhin seinen Platz, denn in Dienstleistungsberufen spielt die persönliche Präsentation eine wichtige Rolle. Allerdings sollte das Bild zum angestrebten Arbeitgeber passen.
«Für eine Fast Food-Kette darf das Foto etwas dynamischer sein. Für ein Fünf-Sterne-Hotel mit Sternerestaurant empfiehlt sich dagegen ein zurückhaltendes Bild mit dunklem Anzug und weissem Hemd.»
Ausgefallene Inszenierungen oder besonders schmeichelhafte Fotos können dagegen schnell kontraproduktiv wirken, etwa Aufnahmen von einem Tag, an dem man zufällig mit einem Mikrofon auf einer Bühne stand.
Entscheidend ist unabhängig von der Position vor allem eines: Bescheidenheit.
«Für einen ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance», erinnert Lionel Fontaine.
Von spektakulären Zahlenangaben wie «+60 % mehr Reservierungen» rät er ab. Solche Aussagen sind selten überprüfbar und wirken schnell überheblich. Gleiches gilt für Kennzahlen, die eigentlich der Vertraulichkeit eines Arbeitgebers unterliegen. Zurückhaltung überzeugt oft mehr als Selbstdarstellung.
Ein Dokument, das mehr verrät, als man denkt
Ein Lebenslauf spricht auch durch das, was er nicht enthält.
«Informationen, die man nicht auf den ersten Blick findet, sind oft Informationen, die man bewusst nicht hervorheben möchte», erklärt der Direktor von Hotelis.
Als Beispiel nennt er das Geburtsdatum. Selbst wenn es im Lebenslauf fehlt, taucht es später meist ohnehin in Arbeitszeugnissen auf. Die Struktur eines Lebenslaufs sollte daher klar und logisch sein. Wer zu lange nach bestimmten Angaben suchen muss, wird schnell misstrauisch.
Besonders sichtbar sein sollten dagegen Weiterbildungen. Sie geben Hinweise auf die Neugier, Lernbereitschaft und den Wunsch, sich weiterzuentwickeln.
«Wenn jemand keine einzige Weiterbildung besucht hat, liegt das entweder daran, dass die Person nicht besonders neugierig ist oder keine Möglichkeit dazu hatte.»
In einer Branche, in der Beschäftigungsfähigkeit aktiv gepflegt werden muss, ist dieses Signal wichtig. Häufig bildet es den Ausgangspunkt für eine individuelle Beratung, sobald der erste Kontakt hergestellt wurde.
Authentisch bleiben und die richtigen Adressaten ansprechen
Zwischen Vorlagen aus dem Internet und zahlreichen digitalen Hilfsmitteln besteht die Gefahr, dass ein Lebenslauf irgendwann nicht mehr zur Person passt.
Lionel Fontaine warnt vor Bewerbungsunterlagen, die zu stark geglättet oder optimiert wurden und deren Inhalt der Kandidat im Gespräch kaum mehr glaubwürdig vertreten kann.
Sein Rat lässt sich einfach zusammenfassen: authentisch bleiben und gezielt auf den Empfänger eingehen.
Ein und derselbe Lebenslauf eignet sich nicht für jede Bewerbung. Es lohnt sich, ihn je nach Betrieb um rund 15 bis 20 Prozent anzupassen.
«Entscheidend ist, dass das Unternehmen erkennt, dass sich der Kandidat mit seinen Besonderheiten auseinandergesetzt hat.»
Einige Zeilen zu den eigenen beruflichen Zielen, sei es die Führung eines Teams, die Weiterentwicklung innerhalb eines bestehenden Teams oder die Arbeit in einem besonders digitalisierten Umfeld, können das zunehmend seltene Motivationsschreiben sinnvoll ersetzen.
Ein Hilfsmittel für den neuen Lebenslauf
Doch wie erstellt man einen solchen Lebenslauf überhaupt? Nach zehn oder fünfzehn Jahren im selben Unternehmen kann das zur Herausforderung werden. Viele kennen die aktuellen Standards nicht mehr, und die letzte Version befindet sich oft noch auf einem alten USB-Stick oder bei Angehörigen am anderen Ende der Welt. Manchmal wurde sie schlicht entsorgt.
Hinzu kommt die Realität der Hotellerie: Die Branche ist geprägt von hoher Mobilität. Viele Mitarbeitende wechseln alle zwölf bis achtzehn Monate den Betrieb, den Kanton oder sogar das Land und reisen mit leichtem Gepäck. Bewerbungen werden heute meist über das Smartphone und nur noch selten über einen Computer erstellt.
Genau auf dieses Bedürfnis antwortet der CV Builder der Interiman Group. Das kostenlose Tool erstellt auf Basis weniger Angaben oder eines bestehenden Dokuments einen übersichtlichen und professionell aufgebauten Lebenslauf. Er entspricht den Standards der Branche, ist in den wichtigsten Landessprachen sowie auf Englisch verfügbar und für automatisierte Sortierfilter optimiert, die heute in vielen Unternehmen eingesetzt werden.
Das System erkennt sogar, welche Kompetenzen sich aus bisherigen Berufserfahrungen ableiten lassen, und hebt diese gezielt hervor, ohne dabei zu übertreiben.
Das Tool ersetzt den Menschen nicht, sondern unterstützt den ersten Schritt im Bewerbungsprozess. Sobald der Lebenslauf eingereicht wurde, übernimmt ein Consultant mit Branchenkenntnissen die weitere Begleitung, bietet ein Beratungsgespräch an und empfiehlt bei Bedarf Weiterbildungen, um das Profil gezielt zu ergänzen.
«Wir bleiben Personalberater», betont Lionel Fontaine.
Digitale Werkzeuge übernehmen die zeitaufwendigen Aufgaben und schaffen Raum für das, was letztlich den Unterschied macht: die persönliche Begleitung.


